13. Februar 2025
Zunächst muss diesbezüglich der Begriff der natürlichen Geburt genauer erklärt werden. Der Begriff der natürlichen Geburt bezieht sich zunächst auf eine spontane vaginale Geburt ohne den Einsatz von jedweder Medikation oder Anästhesie. Aufgrund der Zunahme von Sectiones aus diversen Gründen wird gegenwärtig bereits die vaginale Geburt im Allgemeinen als natürliche Geburt bezeichnet - egal ob mit oder ohne Medikation und/oder Anästhesie.
Die Entscheidung, eine Geburt auf „natürliche“ Weise zu erleben, ist für viele Frauen eine bewusste Wahl. Sie wünschen sich ein möglichst ungestörtes Geburtserlebnis, bei dem ihr Körper in seinem natürlichen Rhythmus arbeiten kann.
Dabei unterliegen die werdenden Mütter oftmals dem Mythos, dass jede Frau natürlich gebären kann. Diese Annahme setzt die Frauen oftmals unter starken Druck und schürt unrealistische Erwartungen. Es ist also wichtig, die individuelle geburtliche Situation jeder Frau sachkompetent einzuschätzen und dennoch zu versuchen, den individuellen Geburtswunsch zu respektieren und zu unterstützen. Die Geburt sollte selbstverständlich ein positiver und empowernder Prozess sein, der von Respekt, Unterstützung und Verständnis geprägt ist, aber auch von medizinischem Sachverstand!
Es ist daher wichtig, und zwar für alle Beteiligten anzuerkennen, dass die Geburt ein komplexer Prozess ist, der von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird wie z.B. der individuellen Physiologie, dem Schwangerschaftsverlauf, der eventuell notwendigen medizinischen Versorgung während der Schwangerschaft sowie der emotionalen Verfassung, Einstellung und Haltung der Frau bezüglich der bevorstehenden Geburt.
Vor diesem Hintergrund sollte dann in Form einer partizipativen Entscheidungsfindung mit der werdendem Mutter bzw. dem werdenden Elternpaar der angestrebte Geburtsmodus besprochen werden, um dem Wunsch (soweit es möglich ist) nach einer natürlichen Geburt zu entsprechen.
Doch wie fühlt sich nun überhaupt eine natürliche Geburt an, wie lange dauert sie in der Regel und was kann sie erreichen ?
Die Frage nach dem Geburtsschmerz ist vermutlich die am meisten gefürchtete und zugleich am meisten diskutierte Nachfrage (Anästhesie, ja oder nein? Schaffe ich das?) der werdenden Mütter. Der Schmerz einer natürlichen Geburt ist individuell sehr unterschiedlich und hängt von verschiedenen Faktoren ab:
Viele Gebärende empfinden die Wehen als intensiven, aber durchaus auch als bewältigbaren Schmerz. Der Körper schüttet während der Geburt Endorphine aus, die helfen können, den Schmerz zu lindern. Auch das Einsetzen von Atemtechniken, Entspannungsübungen oder das Bewegen in unterschiedlichen Positionen können dabei unterstützen, den Schmerz besser zu kontrollieren. Die Unterstützung durch eine erfahrene Hebamme oder einen kompetenten Geburtsbegleiter spielt hier eine sehr wichtige Rolle.
Trotzdem bleibt die Geburt eine herausfordernde Erfahrung, bei der der Körper extrem herausgefordert wird. Der Schmerz kann mit dem Geburtsverlauf intensiver werden, besonders in den letzten Geburtsphasen.
Dennoch berichten viele Frauen, die eine natürliche Entbindung ohne Anästhesie erlebt haben, dass das Gefühl der Erleichterung und der Freude nach der Geburt den Schmerz weit überwiegt.
Inzwischen gibt es allerdings so gut wirksame Peridualanästhesien wie auch die „walking-PDA“, dass vielen werdenden Müttern diese Form der Schmerzerleichterung angeboten werden kann.
Neben der bereits genannten Methode der Schmerzlinderung gibt es auch Alternativen wie Akupunktur, Homöopathie, TENS-Geräte ( transkutane elektrische Nervenstimulation) oder die Nutzung von Entspannungsmusik und Massagen, die ebenfalls zur Schmerzlinderung beitragen können. Wichtig ist, dass jede Frau ihre eigene Entscheidung trifft und sich mit den verschiedenen Optionen auseinandersetzt. Dabei ist die Unterstützung von erfahrenem Fachpersonal entscheidend, um den individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden.
Die Dauer einer natürlichen Geburt kann stark variieren. In der Regel dauert die aktive Phase der Geburt – also die Zeit, in der sich der Muttermund vollständig öffnet - bei Erstgebärenden zwischen 8 und 12 Stunden. Bei denjenigen Frauen, die bereits Kinder geboren haben, kann die Geburt deutlich schneller voranschreiten. Insgesamt lässt sich keine genaue Zeitangabe machen, da jede Geburt einzigartig ist und von vielen Faktoren abhängt wie etwa der Lage des Kindes oder der Stärke der Wehen.
Die Eröffnungsphase, in der sich der Muttermund allmählich öffnet, kann länger dauern und ist häufig mit unterschiedlichen zeitlichen Wehenabständen verbunden. Sobald der Muttermund vollständig geöffnet ist kommt es zu der sogenannten Austreibungsphase, die auch ein bis zwei Stunden dauern kann. Hierbei spielen die „Presswehen“ eine beherrschende Rolle.
Es gibt einige Faktoren, die eine natürliche Geburt erfolgreich befördern können.
Dazu gehören:
Die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus nach einer natürlichen Geburt hängt natürlich auch wieder von verschiedenen Faktoren ab, z.B. der physischen und psychischen Gesundheit von Mutter und Kind sowie von den individuellen Wünschen. In der Regel bleiben Eltern und Baby bei einer unkomplizierten Geburt etwa 2 bis 3 Tage im Krankenhaus, um sicherzustellen, dass sie sich von der Geburt erholen und dass keine weiteren Komplikationen auftreten.
Auch die U 2 kann so schon im Krankenhaus vorgenommen werden. Bei einer natürlichen Geburt ohne medizinische Eingriffe, die problemlos verläuft, ist es auch möglich, dass die Entlassung nach Geburt bereits nach etwa 4 Stunden stattfinden kann.
Wichtiger als die Aufenthaltsdauer ist jedoch der individuelle Bedarf der Mutter. Manche Frauen möchten nach der Geburt Zeit für sich und ihr Baby haben, um das erste Kennenlernen ohne Stress zu genießen, während andere Mütter früher entlassen werden möchten.
Eine erfolgreiche natürliche Entbindung ist ein einzigartiges Erlebnis, das sich sowohl herausfordernd als auch bereichernd zeigt. Es gibt viele Möglichkeiten, die Geburt zu unterstützen und den Schmerz zu lindern, ohne auf medizinische Eingriffe zurückgreifen zu müssen.
Dauer und Intensität der Geburten können variieren, aber mit einer guten psychischen Vorbereitung der werdenden Mutter bezüglich Flexibilität und Offenheit gegenüber möglicher Veränderungen des vereinbarten Geburtsplans (…unerwartete Veränderungen des Geburtsverlaufs) durch intensiv betreuende Hebammen und ärztlichem Support, ist eine natürliche Geburt für viele Frauen eine gut bewältigbare Erfahrung.
Entscheidend dafür ist, dass jede Frau ihre Geburt nach ihren eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen vorstellen und mitteilen darf, gut beraten wird und sich dann von ihrem Körper und den Fachleuten auf diesem intensiven Weg vertrauensvoll begleiten lässt.
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